Monopol auf 3.454 Metern? Der unantastbare Freizeitanbieter aus der Schweiz
Inhaltsverzeichnis
Passend zum kalten Wetter stellen wir euch heute ein Tourismusunternehmen vor, welches dank Schnee und Eis beständige Gewinne erwirtschaftet. Die Rede ist von der Schweizer Jungfraubahn Holding AG.
Neben der größten Bergbahngruppe der Schweiz betreibt das Unternehmen eigene Wintersportanlagen und Erlebnisberge.
In unserer Analyse erfahrt ihr, weshalb die Jungfraubahn-Gruppe so erfolgreich ist und was den starken Burggraben ausmacht.
Übersicht
| Jungfraubahn Holding AG | |
| Marktkapitalisierung | 1,75 Mrd. CHF |
| Besucherzahl 2025 | 3,9 Millionen |
| Umsatz TTM | 302,8 Millionen CHF |
| Gewinn TTM | 79 Millionen CHF |
| Dividendenrendite | 2,45 % |
| Dividendenwachstum 10 Y | 15,3 % |
| Ausschüttungsquote Gewinn (bereinigter FCF) | 54,4 % (53,5) |
| KGV | 22,2 |
| Nettoschulden / Gewinn | 1,1 Jahre |
Firmenkonstrukt
Hinter dem Erfolg der Jungfraubahn steht eine seit 1994 bewährte Holding-Struktur. Als Dachgesellschaft steuert sie zwölf Mehrheitsbeteiligungen und sorgt so für eine klare rechtliche und finanzielle Abgrenzung der verschiedenen Geschäftsbereiche.

Jede dieser Firmen betreibt einen spezialisierten Bereich, wie beispielsweise eine weltberühmte Zahnradbahn, Wintersportgebiete, Gastronomie oder eigene Parkhäuser. Das führt zu einer klaren Abgrenzung und einem übersichtlichen Reporting für die Geschäftsleitung der Holding.
Besonders im Falle unvorhersehbarer Ereignisse, wie technische Defekte oder Unfälle, erweist sich die Holding-Struktur als unverzichtbarer Schutzschild. Die rechtliche Eigenständigkeit der Betriebszweige verhindert einen Domino-Effekt im Katastrophenfall.
Haftungsansprüche bleiben auf die betroffene Tochtergesellschaft begrenzt, wodurch das Gesamtvermögen der Holding und die Dividendenfähigkeit des Konzerns geschützt werden.
Geschäftsmodell
Die Jungfraubahn-Gruppe bewirtschaftet die Berge in der Schweizer Jungfrau-Region. Diese gilt als eine der bekanntesten Alpin- und Wandergebiete der Schweiz und ist Teil des UNESCO-Welterbe "Swiss Alps Jungfrau-Aletsch".
Mit Zahnrad-, Pendel-, Gondel- und Sesselbahnen besitzt das Unternehmen eine breite Palette an Beförderungsmöglichkeiten, welche die Gäste sowohl zum höchsten Punkt des Gebietes - dem "Jungfraujoch – Top of Europe" auf 3.454 Metern Höhe - befördert oder alternativ auf einen der Erlebnis- oder Wintersportberge.
Zusätzlich betreibt das Unternehmen mehrere Restaurants, um die Besucher auf den Bergen kulinarisch zu verwöhnen, sowie eigene Verkaufsshops für Souvenir- und Beautyprodukte. Es bewirtschaftet zwei Parkhäuser und darüber hinaus ein Wasserkraftwerk mit einer Stromproduktion von über 60 GWh pro Jahr.
Das Unternehmen kann daher als eine Mischung aus Transport-, Service- und Freizeitunternehmen angesehen werden.
Im vergangenen Jahr stellte dieses einen Rekord mit über 3,9 Millionen Besucherinnen und Besuchern auf (Vorjahr 3,8 Millionen).
Um die Besucherzahlen ins Verhältnis zu setzen, vergleichen wir diese mit anderen europäischen Attraktionen.
So kommt die Zugspitze auf rund 600.000 Besucher pro Jahr, also lediglich ca. 15 % im Vergleich zur Jungfraubahn-Gruppe. Ein von den Zahlen her passenderer Vergleich erscheint uns mit dem Europapark Rust oder mit dem Eifelturm in Paris. Diese haben pro Jahr etwas über 6 Millionen Besucher, also ungefähr das 1,6-fache gegenüber der Jungfraubahn Holding AG.
Das zeigt, mit welchen bedeutenden Sehenswürdigkeiten sich das Unternehmen messen kann.
Zur Herkunft der Besucher stellt das Unternehmen nur eine grobe Auskunft bereit. Zu den heutigen Kernmärkten zählen neben der Schweiz auch die Länder Deutschland, China, USA, das Vereinigte Königreich, Indien und Singapur.

Zur besseren Übersichtlichkeit unterteilt die Jungfraubahn-Gruppe ihr Geschäft in die drei Segmente Jungfraujoch - Top of Europe, Wintersport und Erlebnisberge.
Der Anteil der drei Segmente am Gesamtumsatz stellt sich dabei wie folgt dar:

Segmentübergreifend werden in etwa 75 % des Gesamtumsatzes durch verkaufte Beförderungstickets erzielt.
Jungfraujoch -Top of Europe
Als umsatzstärkstes Segment ist das Jungfraujoch das strategische Herzstück des Unternehmens. Hauptattraktion ist die höchstgelegene Eisenbahnstation Europas auf über 3.454 Metern Höhe. Verschiedene Gastronomiebetriebe & Shops entlang der Strecke versorgen die Besucher.
Die Gäste erleben hier eine hochalpine Welt inmitten von gewaltigen Berggipfeln, Schnee und Eis (365 Tage im Jahr) und mit dem Blick über den Aletschgletscher. Über eine Million Menschen haben im vergangenen Jahr diese Tour gebucht.
Mit Zahnradbahnen und der Jungfraubahn (siehe nachfolgendem Bild) gelangen die Gäste aus aller Welt zur bedeutendsten Attraktion der Schweiz, dem Jungfraujoch.

Seit August 1912 ist das Jungfraujoch durch die Jungfraubahn erschlossen. Die Strecke führt teilweise mitten durch das Bergmassiv.
Etwa 16 Jahre hat es gedauert, die Tunnel durch die Bergabschnitte zu schlagen und mit Dynamitsprengungen nach und nach zu erweitern. Der Bau der Tunnel war damals extrem gefährlich - 30 Arbeiter kamen dabei ums Leben.
Diese gewaltige historische Leistung gibt dem Unternehmen heute einen starken Burggraben.
Es würde Milliarden kosten, so etwas heute nachzubauen. Auch wenn sich die Technik für den Bau solcher Tunnel deutlich verbessert hat, würde der Nachbau wahrscheinlich schon bei den behördlichen Genehmigungen scheitern.
Die Region Jungfrau-Aletsch (UNESCO-Welterbe) steht nämlich unter Schutz. Ein solch massiver Eingriff in die Gebirgslandschaft würde heute wohl kaum noch bewilligt werden.
Erlebnisberge
Die Erlebnisberge bieten den Besuchern neben eindrucksvollen Wanderwegen und Aussichtsplattformen auch jede Menge Spaß und Nervenkitzel für die ganze Familie. Im Jahr 2025 verzeichnete das Segment über 1,6 Millionen Besucherinnen und Besucher.
So bieten die Berge neben einem Gleitflug, bei dem Gäste über 80 km/h erreichen, auch Fahrrad- oder Kart-Touren an.

Dieses Segment ist strategisch besonders wichtig, da es insbesondere für einen erfolgreichen Sommerbetrieb sorgt. Die Attraktionen ziehen in der warmen Jahreszeit Urlauber an oder sorgen dafür, dass diese länger in der Urlaubsregion verweilen.
Das hat nicht nur einen positiven Einfluss auf die Erlebnisberge selbst, sondern wirkt sich auch vorteilhaft auf die Hauptattraktion des Unternehmens, die Reise zum Jungfraujoch, aus.
Wintersport
Neben den klassischen Skipisten bietet das Unternehmen ebenfalls Winterwander- und Schlittenangebote.
Gut die Hälfte des Umsatzes erzielt die Jungfrau Ski Region mit Gästen, die dort ihre Winterferien verbringen. Die andere Hälfte wird mit Tagesgästen verdient, die sich stärker auf sportliche Aktivitäten konzentrieren und einen hohen Anspruch an die Qualität der Pisten sowie die Kapazität der Zubringeranlagen besitzen.
Im letzten Jahr verzeichnete das Unternehmen über 1,2 Millionen Wintersport begeisterte Besucher.
Kennzahlen
Wachstum
Das Umsatzwachstum der Jungfraubahn-Gruppe hängt im Wesentlichen von zwei entscheidenden Faktoren ab - das Wachstum der Besucherzahlen und die Preissteigerungen.
Um später im Abschnitt "Bewertung" realistische Wachstumsraten für die Zukunft zu ermitteln, schauen wir uns die beiden Faktoren für die einzelnen Segmente in der Vergangenheit an.
Historisches Wachstum der Besucherzahlen



Angaben in Tausend
Die Besucherzahlen zeigen für alle drei Bereiche des Unternehmens einen wachsenden Trend (klammert man die Corona-Zeit zwischen 2020 - 2022 aus). Ermittelt man die durchschnittliche Wachstumsrate (CAGR) der einzelnen Segmente seit 2016, fällt auf, dass die Erlebnisberge am stärksten wachsen.
| ⌀ Wachstumsrate pro Jahr | |
| Besucher Jungfraujoch | 1,6 % |
| Besucher Erlebnisberge | 9,7 % |
| Besucher Wintersport | 2,7 % |
| Alle Besucher | 4,7 % |
Das lässt sich dadurch erklären, dass die Aktivitäten rund um die Erlebnisberge stark erweitert werden können. So wurde der oben dargestellte "First Glider" (Flugattraktion) erst im Jahr 2017 eröffnet. Die neuen Attraktionen ziehen mehr Besucher an. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieses Segment auch in Zukunft weiter ausgebaut wird.
Im Vergleich zu den Erlebnisbergen hat die Jungfraubahn eine Kapazitätsgrenze, die etwa bei 5.000 Besucher pro Tag liegt. Somit ist das potenzielle Wachstum hier deutlich eingeschränkter.
Selbst bei einer Vollauslastung an jedem einzelnen Tag im Jahr können die Besucherzahlen bei den aktuellen Gegebenheiten auf maximal 1,83 Millionen Besucher ansteigen.
Historisches Wachstum des Umsatzes pro Kunde
Zusätzlicher Umsatz lässt sich auch über die Erhöhung der Ticketpreise erzielen.
Die Jungfraubahn-Gruppe veröffentlicht dazu jährlich den eingenommenen Verkehrsertrag pro Segment. Teilt man diesen durch die Anzahl der Besucher, erhält man den durchschnittlichen Ticketpreis, den ein Kunde bezahlt hat.
Dabei sollte natürlich immer darauf geschaut werden, in welchem Zusammenhang die Preissteigerungen mit den Besucherzahlen stehen. Denn werden die Preise zu stark erhöht, wirkt sich das negativ auf das Besucherwachstum aus.
Wir haben für jedes der Segmente den Verkehrsertrag je Besucher zwischen 2014 und 2024 berechnet (2025er Umsätze wurden noch nicht bekannt gegeben). Anhand dieser Zahlen lässt sich die durchschnittliche Wachstumsrate der Ticketpreise pro Jahr ermitteln:
| ⌀ Preis pro Besucher 2014 | ⌀ Preis pro Besucher 2024 | ⌀ Preiswachstum pro Besucher (CAGR) | |
| Segment Jungfraujoch | 108,9 CHF | 129,4 CHF | 1,7 % |
| Segment Erlebnisberge | 18,2 CHF* | 29,2 CHF | 6,1 % |
| Segment Wintersport | 22,4 CHF | 26,2 CHF | 1,6 % |
*Berechnung anhand der Zahlen aus 2016 (2014er Besucherzahlen sind nicht öffentlich).
Auch hier stechen die Erlebnisberge mit dem größten Wachstum des Verkehrsertrages pro Besucher heraus.
Aus den Zahlen lässt sich ableiten, dass die Erlebnisberge nicht nur im Durchschnitt 9,7 % mehr Besucher pro Jahr anziehen können, sondern obendrauf noch den Preis pro Jahr um 6,1 % erhöht haben. Das sind beachtliche Zahlen!
Die beiden Segmente Jungfraujoch und Wintersport sind vom Preiswachstum zwischen 1,6 % - 1,7 % eher unspektakulärer und liegen in etwa gleichauf.
Renditen
Die Umsatzrendite des Unternehmens veranschaulicht sehr deutlich, wie stark der Burggraben des Unternehmens ist. Von jedem eingenommenen Franken, den das Unternehmen umsetzt, bleiben schlussendlich 26 Rappen (analog Cent in Deutschland) als Gewinn für die Aktionäre übrig.
Die Rendite auf das Eigenkapital befindet sich mit ca. 11 % in einem guten Bereich, auch wenn dieser noch etwas Luft nach oben offen lässt.
Verschuldung
Die Jungfraubahn-Gruppe ist sehr konservativ mit der Aufnahme von neuen Krediten. Die Nettoverschuldung beträgt gerade einmal 85 Millionen CHF. Das Unternehmen müsste Stand heute etwa einen Jahresgewinn aufbringen, um komplett frei von Finanzschulden zu sein.
Besonders an den Schulden ist, dass ein Großteil als "Investitionsdarlehen" vom Bund und Kanton Bern gegeben werden. Auf diese Schulden fallen keine Zinsen an - quasi ein zinsloser Kredit mit unterschiedlich langen Laufzeiten (teilweise bis zum Jahr 2042).
Etwa 88 % der ausgewiesenen Finanzverbindlichkeiten stellen zinslose Kredite dar.
Daher müssen sich aus unserer Sicht aktuell keine Sorgen um eine zu hohe Verschuldung gemacht werden.
Dividenden
Die Jungfraubahn Holding AG zahlte im letzten Jahr eine Dividende von 7,50 CHF pro Aktie. Das entspricht einer Dividendenrendite von 2,5 %.
Basierend auf der Dividendenhistorie der letzten 25 Jahre liegt die aktuelle Dividendenrendite etwa im Durchschnitt:

Klammert man aber die Jahre der Coronapandemie aus (2020 -2022), wo keine Dividende gezahlt wurde, wäre die aktuelle Dividendenrendite eher unterdurchschnittlich.
Dafür punktet das Unternehmen mit einer starken Dividendenwachstumsrate. Auf 10-Jahres-Sicht wurde die Dividende im Durchschnitt um 15,3 % pro Jahr erhöht!
Das aktuelle Payout Ratio ist mit ca. 54 % (sowohl auf den Gewinn, als auch auf den Free Cashflow) als sicher einzustufen.
Management
Die Jungfraubahn Holding AG steht seit dem letzten Jahr unter der Führung des neuen CEO Oliver Hammel.

Der Anfang 40-jährige Basler folgte auf den langjährigen Firmenchef Urs Kessler, der das Unternehmen 17 Jahre lang als Geschäftsführer leitete und ganze 38 Jahre Betriebszugehörigkeit vorweisen konnte.
Interessant ist, dass der neue Geschäftsführer nicht aus den eigenen Reihen der Jungfraubahn-Gruppe kommt, sondern seinen Werdegang bisher bei anderen Unternehmen aufbaute.
Hier darf sich natürlich die Frage gestellt werden: Gab es in den eigenen Reihen der Jungfraubahn mit über 727 Vollzeitstellen keinen geeigneten Kandidaten?
Zuletzt arbeitete Hammel bei dem globalen Vertriebsunternehmen DKSH, wo er als Direktor den Geschäftsbereich "Technologie" für die Märkte Thailand, Laos, Kambodscha und Myanmar (Burma) leitete.
Auf dem Investor Day am 08.01.2026 schraubte der neue Geschäftsführer gleich mehrere Finanzziele nach oben.
So soll die Umsatzrendite zwischen 2025 und 2030 bei mindestens 25 % liegen (vorher ≥ 20 %) und die EBITDA Marge bei ≥ 45 % (vorher ≥ 43 %).
Außerdem soll das Payout Ratio für Dividendenzahlungen nicht wie historisch zwischen 40 % - 60 % vom Gewinn liegen, sondern stattdessen bei 50 % - 67 % - ganz zur Freude vieler Investoren.
Um die neuen Ziele zu erreichen, plant CEO Hammel für die nahe Zukunft vor allem mit Preiserhöhungen - "Value over Volume". So werden die Ticketpreise für die Hauptsaison, die Preise für die Aktivitäten und die Gastronomie, als auch die Preise für die Swiss Half Fare Card erhöht. Letzteres gewährt Touristen 50 % Rabatt auf Fahrten mit Bahn, Bus, Schiff sowie den meisten Bergbahnen in der Schweiz.
Preiserhöhungen sind generell ein sehr verlockendes Mittel, wenn es um profitableres Wachstum geht. Jedoch muss die Geschäftsleitung die zukünftigen Auswirkungen auf die Besucherzahlen stark im Auge behalten.
Bewertung
Bei der Bewertung der Jungfraubahn Holding AG versuchen wir den inneren (fairen) Wert des gesamten Unternehmens zu ermitteln und vergleichen diesen im Anschluss mit dem Marktwert.
Notiert der Marktwert deutlich unter dem fairen Wert, ist die Aktie kaufenswert (eine Sicherheitsmarge muss vorhanden sein). Eine 10 % Rendite ist bei der Ermittlung des fairen Wertes unser Maßstab.
Für die Jungfraubahn Holding AG können folgende Bewertungsmodelle verwendet werden:
Abzinsung der zukünftigen Gewinne
Um den heutigen Wert der Jungfraubahn Holding AG zu erhalten, wird bei dieser Methode zuerst der aktuell bereinigte Gewinn ermittelt, welcher den Eigentümern des Unternehmens zusteht. Dieser wird als Grundlage für das zukünftige Gewinnwachstum verwendet.
Die geschätzten Gewinne der zukünftigen Jahre werden dann anhand einer 10 % Abzinsungsrate diskontiert. Das bedeutet im Grunde nichts anderes als, dass 1 € Gewinn, den man erst in einem Jahr erhält, nicht mehr so viel Wert ist wie 1 € heute. Addiert man alle dieser diskontierten Gewinne, erhält man den Unternehmenswert.
Das Schöne an dieser Methode ist, dass man zu keinem Zeitpunkt an einen Weiterverkauf an andere Investoren nachdenken muss. Wie Warren Buffett geht man bei dieser Methode davon aus, das Unternehmen für immer zu halten.
- Bereinigter Gewinn für die Eigentümer:
Da der Geschäftsbericht für das Jahr 2025 noch nicht veröffentlicht wurde, verwenden wir die historischen Gewinne:
| 2024 | 2023 | |
| Jahresergebnis (in Mio.) | 76 CHF | 80 CHF |
Da aus der uns vorliegenden Konzernerfolgsrechnung keine Sondergewinne bzw. einmaligen Gewinne ersichtlich werden, müssen wir keine Bereinigung der Gewinne vornehmen.
Addiert man die aktuellsten Gewinne (2. Halbjahr 2024 + 1. Halbjahr 2025), erhält man einen Gewinn in Höhe von 79 Millionen CHF.
Daher erscheinen uns 80 Mio. CHF als aktuell bereinigter Gewinn für die Eigentümer angemessen zu sein.
- Zukünftiges Wachstum der Gewinne
Auch hier orientieren wir uns an der Vergangenheit der Jungfraubahn-Gruppe (siehe Abschnitt "Kennzahlen" -> Teilabschnitt "Wachstum").
Wir haben festgestellt, dass die Segmente Jungfraujoch und Wintersportberge am langsamsten wachsen. Rechnet man das durchschnittliche Wachstum der Besucherzahlen zusammen mit dem des Preiswachstums kommt man auf einen Wachstum pro Jahr zwischen 3,3 % - 4,3 %.
Die Erlebnisberge kommen bei der gleichen Betrachtungsweise auf ein historisches Wachstum von 15,8 % pro Jahr (9,7 % Besucherwachstum und 6,1 % Preiswachstum)! Diese Zahl erscheint uns jedoch etwas zu hoch für die nächsten 10 Jahre, weshalb wir für dieses Segment ein durchschnittliches Wachstum von 10 % pro Jahr verwenden (5 % Besucher und 5 % Preiswachstum).
Fügt man die Wachstumszahlen der einzelnen Segmente zusammen, scheint eine Wachstumsrate in Höhe von 5 % pro Jahr für das gesamte Unternehmen innerhalb der nächsten 10 Jahre realistisch zu sein.
Ab dem 11. Jahr rechnen wir dann nur noch mit einem Wachstum in Höhe von 3 % pro Jahr weiter.
Unsere Annahme beinhaltet, dass das Umsatzwachstum sich in einem gleich hohen Gewinnwachstum niederschlägt.
- Heutiger Wert
Führt man die Berechnung anhand der von uns genannten Annahmen so aus, ergibt sich ein heutiger Zeitwert für die Jungfraubahn Holding AG in Höhe von 1,36 Milliarden CHF, um eine 10 prozentige Rendite zu erreichen.
Dies entspricht bei 5,68 Mio. ausstehenden Aktien einem fairen Aktienkurs in Höhe von 240 CHF (263 €) pro Aktie.
Aktuell notiert die Aktie bei 311,74 CHF (341,50 €), was einem Aufschlag von ca. 30 % gegenüber dem errechneten fairen Wert entspricht.
Historisches Kurs-Gewinn-Verhältnis
Schauen wir uns das KGV über die letzten 10 Jahre an, stellen wir fest, dass die Jungfraubahn-Gruppe im Durchschnitt mit dem 15,7-fachen der Gewinne bewertet wurde.

Dabei erscheint das heutige KGV von 22,1 sehr teuer zu sein.
Unter der Annahme, dass die Gewinne des Unternehmens in den nächsten fünf Jahren um etwa 5 % pro Jahr steigen werden, die Bewertung jedoch zum historischen Durchschnitt zurückkehrt, kann in den kommenden 5 Jahren nur mit einer durchschnittlichen Rendite von um die 1 % pro Jahr gerechnet werden (-1,4 % Kurswachstum und 2,4 % Dividende).
Entweder müssten die Aktien deutlich länger gehalten werden oder das Bewertungsniveau müsste zukünftig höher sein, um eine attraktive Rendite zu erzielen.
Fazit
Ohne Zweifel besitzt das Unternehmen einen ordentlichen Burggraben!
Das zeigen nicht nur die hervorragenden Margen der Jungfraubahn Holding AG, sondern auch der Gedanke daran, wie schwierig es wäre, so ein Bauprojekt - mitten in einem geschützten UNESCO-Welterbe - heute nachzubauen. Welche Behörde würde so einen massiven Eingriff in die Gebirgslandschaft unter diesen Umständen wohl noch genehmigen?
Auch die historisch wachsenden Besucherzahlen und der Anstieg der Ticketpreise zeigen, dass die Region von Urlaubern sehr geschätzt wird und immer mehr Touristen anzieht. Gleichzeitig wirken die bisherigen Preiserhöhungen nicht abschreckend, sodass das Besucherwachstum kontinuierlich zunimmt.
Ein Haken an der ganzen Sache kann aber schnell in der heutigen Bewertung des Unternehmens gefunden werden. Die Aktien der Jungfraubahn-Gruppe sind aus unserer Sicht aktuell, kurzfristig als auch langfristig, deutlich überbewertet.
Das liegt an dem rasanten Kurswachstum, welches die Aktie innerhalb der letzten drei Jahre vorweisen kann (ohne Dividenden ca. 144 %):

Für uns kommt daher ein Kauf zum heutigen Kurs von 305 CHF nicht in Frage. Sollte der Kurs jedoch in den kommenden Jahren unter 216 CHF fallen, würden wir einen ersten Kauf in Betracht ziehen. Die langfristige Rendite wäre damit über unserem 10 % Ziel und die Dividendenrendite läge zu diesem Zeitpunkt bei ca. 3,5 %.
Sollte der Kurs nochmal unter 200 CHF pro Aktie fallen, würden wir vermutlich eine größere Position in unserem Depot aufbauen, da das Chancen-Risiko-Verhältnis als äußerst positiv erscheint und die Dividendenrendite knapp 4 % betragen würde.
Manchmal entdeckt man Aktien eben etwas zu spät, um mit einem guten Gewissen sofort einsteigen zu können.
Wichtig zu beachten: Bei Anlegern aus Deutschland werden pro Dividende 35 % Quellensteuer einbehalten. Davon können 20 % über die Schweizer Behörden mit Erstattungsanträgen zurückgeholt werden.
Eine Investition sollte in unseren Augen nur in Betracht gezogen werden, wenn die Erstattung der zu viel gezahlten Quellensteuer auch tatsächlich durchgeführt wird. Andernfalls geht Rendite gegenüber anderen Tourismusaktien (z. B. aus den USA) von vornherein verloren. Der Aufwand für den Erstattungsprozess lohnt sich in unseren Augen erst ab einem angemessenen Anlagebetrag.
Bildquellen:
www.switzerland-highlights.com/en/jungfraujoch-top-of-europe-best/
https://www.jungfrau.ch/geschaeftsbericht-2024/assets/pdfs/Jungfraubahn_GB2024_DE_WEB_offizielle-version.pdf
https://media.jungfrau.ch/image/upload/v1767859144/ad-hoc-meldungen/Investor_Day_08.01.2026.pdf
www.jungfrau.ch/de-ch/unternehmen/jungfraubahnen/allianz-jungfrau-top-of-europe/management/oliver-hammel/?srsltid=AfmBOopHq7pngLPm3pWJhN14g-dnPcZCukPiYcZ3uMQ6a9mHqUi18w79
www.aktienfinder.net
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